Kurzantwort: Bleirohre wurden bis etwa 1970 verlegt. Erkennen können Sie sie am weich-grauen, matten Metallglanz und daran, dass sie sich mit dem Daumennagel einritzen lassen. Gesundheitlich sind sie problematisch - ein Austausch ist dringend empfohlen und in vielen Fällen vorgeschrieben.
Warum sind Bleirohre ein Problem?
Blei löst sich aus alten Leitungen ins Trinkwasser. Bereits geringe Mengen können langfristig Nieren, Nervensystem und Blutbildung schädigen. Für Kinder und Schwangere gilt ein besonders strenger Grenzwert. Die Trinkwasserverordnung schreibt seit 2021 einen Bleigrenzwert von 0,010 Milligramm pro Liter vor. In Freiburger Altbauten mit Vorkriegs- oder Nachkriegsbausubstanz können Bleirohre noch vorhanden sein.
So erkennen Sie Bleirohre
- Farbe und Glanz: Bleirohre sind matt-grau und haben keinen metallisch-glänzenden Schimmer wie Kupfer oder Edelstahl.
- Weichheit: Kratzen Sie mit dem Daumennagel über das Rohr - bei Blei hinterlässt der Nagel eine sichtbare Spur.
- Gewicht: Bleirohre sind spürbar schwerer als gleich große Kunststoffrohre.
- Verbindungen: Typisch für Bleileitungen sind gewulstete, gequetschte oder vergossene Verbindungen statt moderner Fittings.
- Magnettest: Blei ist nicht magnetisch. Liegt der Magnet am Rohr fest, handelt es sich um Eisen oder Stahl.
Unsicher? Ein Wassertest vom lokalen Labor gibt Klarheit. Freiburger Labors bieten Bleianalysen für Trinkwasser bereits ab etwa 30 Euro an.
Wo sitzen Bleileitungen häufig?
Oft nicht in der Hauptleitung, sondern in den letzten Metern vor dem Zapfhahn: Steigleitungen aus Stockwerk in Stockwerk, Anschlussleitungen zu einzelnen Wasserhähnen oder kurze Verbindungsstücke, die bei früheren Renovierungen übersehen wurden.
Sofortmaßnahmen bis zur Sanierung
- Wasser vor dem ersten Gebrauch am Morgen mehrere Minuten ablaufen lassen, bis es kälter wird - stehendes Wasser enthält mehr gelöstes Blei.
- Kein Trinkwasser oder Wasser zum Kochen aus Leitungen entnehmen, die über Bleirohre laufen.
- Kein Filtersystem ist ein Ersatz für den Rohraustausch - viele Haushaltsfilter reduzieren Blei nicht zuverlässig.
Rohraustausch: Ablauf und Kosten
Der Austausch erfolgt je nach Leitungsführung durch Öffnen von Wänden und Böden oder - wo möglich - durch Einziehen neuer Leitungen in vorhandene Schächte. Materialien heute: Kupfer, Edelstahl oder hochwertige Kunststoffrohre (PE, PP).
- Kleine Maßnahme (einzelne Verbindungsleitung): ab ca. 300 bis 600 Euro
- Vollständiger Leitungsaustausch Einfamilienhaus: 5.000 bis 20.000 Euro je nach Aufwand
Eigentümer können Förderprogramme nutzen - die KfW fördert unter bestimmten Voraussetzungen die Sanierung von Trinkwasserleitungen in Altbauten.
Pflicht zur Sanierung?
In Mehrfamilienhäusern sind Vermieter verpflichtet, die Trinkwasserqualität den gesetzlichen Anforderungen anzupassen. Werden beim Wassertest Grenzwertüberschreitungen festgestellt, besteht Handlungspflicht. In Freiburg können Sie sich an das Gesundheitsamt oder das städtische Tiefbauamt wenden, wenn Sie Beratung benötigen.